Ich habe eine Erklärung abzugeben

Als ich heute morgen aus der Caféteria kam, um in mein Büro zurück zu gehen, fiel mir auf, dass meine Schuhe nicht nur ungeputzt, sondern auch verschieden hell aussahen.

Eine nähere Untersuchung ergab, dass ich zwei verschiedene Schuhe anhatte, die zwar eine gewisse Verwandtschaft aufwiesen, gleichwohl aber dadurch sich unterschieden, dass der eine Schuh ein eindeutiger Halbschuh und der andere Schuh ein höherer Halbschuh war. Auf dem Foto kann man das gut erkennen.

Wie konnte das passieren?

Folgende Faktoren möchte ich zu meiner Entlastung anführen:

* In Schrank waren beide Schuhpaare in enger Nachbarschaft beieinander
* Auf dem Flur herrschte dämmeriges Licht
* Meine Frau hat mich in dieser Phase nicht beaufsichtigt
* Ich binde die Schleifen ohne hinzusehen
* Beide Schuhe haben ein fast gleiches Traggefühl
* Beim Radfahren fällt die Verschiedenartigkeit der Schuhe weniger auf

Nach Darlegung dieses Sachverhaltes wird Jedermann einsehen, dass der Ablauf des Geschehens schicksalhaft vorgezeichnet und quasi unvermeidlich war.

Es hätte jedem anderen männlichen Angehörigen des öffentlichen Dienstes und meines Alters passieren können.

Jetzt bin ich aber erleichtert.

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Warum

steigt ein Mensch am späten Nachmittag in einen Bus und sucht sich einen Platz in der Hoffnung, auch den anderen Platz für die Nacht für sich zu haben?

Warum erträgt er das Unvermeidliche, dass sich ein weiterer wildfremder Mensch neben ihn setzt, weil der Bus nämlich bis auf den letzten Platz besetzt ist?

Warum muss er jetzt, aus unerfindlichen Gründen mit diesem Menschen ein Gespräch anfangen, das sich um das Wetter, das Skifahren und die Unbequemlichkeiten des Busfahrens dreht?

Warum muss der Mensch, mit einem langsam schmerzhaft werdenden Druck auf seine Blase fertig werden, weil er sich der gesellschaftlichen Ächtung aussetzen würde, wenn er die mikroskopisch kleine Bustoilette aufsuchen würde (“und bitte liebe Leute, benutzt die Toilette nur im äußersten Notfall! Wir machen häufig genug Pinkelpausen.”)?

Warum windet man sich in einer todesmutigen Aufwallung dann doch die lange Sitzreihe entlang, um sich in das Notdurftetui hineinzuschrauben? Die Verrichtung ist unter diesen Verhältnissen besonders schwierig, weil unter der schon lange ertragenen Anspannung offenbar sämtliche beteiligten Groß- und Kleinmuskeln ihre Wasserablassunterstützung verweigern.

Warum, nachdem endlich doch die Erleichterung stattgefunden hat, ist partout der geheime Spülmechanismus nicht zu finden?

Warum biegt der Bus, nachdem sich ein Knopf in einer total unergomischen Ecke der Notdurftfolter als Spülknopf erwiesen hat, sofort nach dem Verlassen des Stätte des Versagens auf den Autobahnrastplatz ein, wo alle bequem in turnhallengroßen Bedürfniseinrichtungen pullern können?

Warum muss man in dem völlig überheizten Bus ununterbrochen Scheißschlager ertragen, die zwangsabgedudelt werden?

Warum leiht man sich für 5 Euro einen Kopfhörer, um einen von RTL einschließlich Werbepausen abkopierten Julia-Roberts-Verschnitt-zuletzt-heiratet-Sie-doch-Mist-Film mithören zu können?

Warum, verdammt noch mal, kann man in bandscheibenschädigender Sitzhaltung, nach dem dieser Kackfilm nach Mitternacht endlich aus ist, kein Auge zu bekommen, obwohl man die Augen natürlich krampfhaft geschlossen hält?

Warum, will die Blase schon wieder ihr Recht?

Warum ist der anvisierte Gang nach Canossa zum Klo so stark erschwert, ja fast unmöglich?

Ja warum wohl? Weil sich nämlich die hartgesottenen Typen weiblichen und männlichen Geschlechts im Mittelgang des Busses zum Schlafen hingelegt haben und rotweinbeseligt glücklich vor sich hin pennen!

Warum ist der Gang zum Klo gefährlich? Weil man mit affenartiger Geschicklichkeit den Mittelgang entlang turnen muss. Wer möchte dabei schon einer Schlafenden auf die Wange treten? Sie etwa?

Warum, ja warum nur, steigt man völlig gerädert, mit abgrundtiefen Ringen unter den Augen schlussendlich beim Hotel aus, schleppt Skier, Koffer und Klamotten von X nach Ypsilon, restauriert sich notdürftig unter Zeitdruck, übersteht das Gerangel um Leihski, Bindungseinstellung, Skipassbesorgungswidrigkeiten, schafft auch noch die übermenschliche Anstrengung, in die kalten Skistiefel einzusteigen (nur Skifahrer wissen, wovon ich spreche)?

Leute, ich glaube ihr wisst die Anwort.