Delirium

Liebe Leserinnen und Leser (dabei rechne ich mit einem Personenkreis von ca. drei bis vier Personen), guckt doch mal bei den Spackonauten rein und lest die Kommentare. Es wird Euch schwindelig werden. Achterbahnfahren ist nix dagegen!

Sieh mal einer an…

Hallo olle Schwester, wie die Welt doch klein ist. Da hat doch M., der ja nu nich gleich umme Ecke wohnt, sich mal eben an einem schon etwas älteren Dialog beteiligt.
Er ist von Italien nach Polen umgezogen und doch in Neffjork geblieben, schreibt er. Unglaublich! Und er hat vier Fahrräder!!
Hallo M.!
Wo bleiben die Details? Quadratmeter, Kinderzimmer, Katze, Hund, Kanarienvogel, Karriere, Demokrat oder etwa nicht? Schreib rein in dieses Weblog. (Deine ‚lounge‘ hat so etwas Reines, Feines Designtes, da muss man ja richtig nachdenken, bevor man sich verewigt..).
Und, lieber M., wie stehst Du denn zu dem alten Kontinent. Lies doch mal etwas zum Thema Brunch, damit Du wieder auf den Appetit kommst…

Olympische Spiele

Während die Jugend der Welt in das Olypiastadion einmarschiert, hier ein Zitat aus „Die Praxis der Volksschule“, Gotha, 1870:

Damit die Störung des Unterrichts unmöglich gemacht werde, hat der Lehrer vor Beginn des Unterrichts darauf zu halten:

– daß alle Schüler anständig, gerade und in Reihen hintereinander sitzen, damit der Lehrer alle übersehen kann;

– daß jedes Kind seine Hände geschlossen auf die Schultafel legt, damit alle Neckereien und Spielereien auf der Tafel, alle ungehörigen und unsittlichen Beschäftigungen unter derselben unmöglich gemacht werden

– daß die Füße parallel nebeneinander auf den Boden gestellt werden, damit das Übereinanderschlagen der Beine und das Hin- und Herscharren mit den Füßen nicht mehr stattfinden kann

– daß sämmtliche Schüler dem Lehrer fest in’s Auge schauen, weil dadurch alles Sprechen, Plaudern, Lachen, Flüstern, Hin- und Herrücken, Essen, heimliches Lesen, neugierige Umhergaffen, träumerische Hinstarren etc. nicht vorkommen kann. Bevor nicht alle Blicke auf den Lehrer gerichtet sind, und bevor nicht die Kinder ihren Geist zum Einstreuen der Samenkörner geöffnet haben, beginnt der Lehrer seinen Unterricht n i c h t

Ist das normal?

Neben mir steht ein Abreisskalender, der das letzte Mal am 18. Juli 2004 abgerissen worden ist.

Ich starre auf das Kalenderblatt vom 19. Juli 2004 mit dem Foto „Monopterus im Englischen Garten, München“ und kann mich nicht aufraffen, die veralteten Blätter abzureissen.

Ich werde es wohl auf morgen verschieben.

Nachtrag

Was auf Kauffahrteischiffen A.D. 1906 noch zu beachten wäre, ist dieses:

Spucktöpfe dürfen in keinem Logisraume fehlen und müssen immer reinlich gehalten und mit feuchtem Sande, Sägespänen und dgl. gefüllt sein.

Einmal in jeder Woche sollen die Leute ihr Zeug waschen. Reicht die Menge des zum Waschen verausgabten Frischwassers nicht aus, um die Wäsche darin ganz rein zu waschen, so ist folgendermaßen zu verfahren: in der einen Hälfte des Frischwassers weichen die Leute das eingeseifte Zeug ein, lassen es einige Zeit stehen, waschen dann in Seewasser, ringen aus und spülen mit der zweiten Hälfte Frischwasser nach. Auf diese Weise kommt die Seife gut zu Geltung und bleibt vom Salze des Seewassers nur wenig im Zeuge zurück.

Hitze in der Stadt

Wegen anhaltender Leere im Gehirn hier eine Abschrift aus „Anleitung zur Gesundheitspflege auf Kauffahrteischiffen“ von 1906:

Äußerlich wahrnehmbare, allgemeine Zeichen einer für den Schiffsdienst geeigneten Körperbeschaffenheit sind: feste, elastische Haut, starker Nacken, breite Schultern, eine normal gebaute Brust, wohlgeformter Rücken, starke Knochen, kräftig entwickelte Muskeln, gelenkige Arme und Hände, gesunde Füße.

Hingegen lassen folgende Kennzeichen auf nicht genügende Widerstandsfähigkeit des Körpers schliessen: blasse oder welke Haut, namentlich blasse Lippen, eingesunkene Augen, geschwüriges Zahnfleisch, langer schmaler Brustkorb, eingesunkene obere Schlüsselbeingruben, herabhängende Schultern, auffallend hohler Rücken, abstehende Schulterblätter, dürftig entwickelte Muskeln und Gliedmassen.

Achtung Willi

Also im Bisstrorante in Kiel am Hindenburgufer kann man Willi treffen, 52 Jahre alt, gut erhalten, Winterbader, fast immer gut drauf. Er hat sich geoutet und mir heute gesagt, dass er gerne wäscht. Das wäre doch kein Problem. Rein in die Waschmaschine und fertig. Hinterher ist Wäscheaufhängen und Bettenbeziehen geradezu ein Vergnügen.
Ich fühle mich verpflichtet. diese Sache mit dem Willi öffentlich zu machen, weil es kaum zu glauben ist, dass es so etwas gibt.
Willi ist allerdings mit Gesine lebensabschnittspartnermäßig gebunden und die Prognose für die Dauerhaftigkeit der Beziehung ist nach meiner Einschätzung gut.
Die Aussicht, sich diesen Willi zu schnappen ist also eher nicht rosig. Trotzdem, falls er doch mal verfügbar sein sollte, sei auf diese außergewöhnliche Gelegenheit hingewiesen.