Hitze in der Stadt

Wegen anhaltender Leere im Gehirn hier eine Abschrift aus „Anleitung zur Gesundheitspflege auf Kauffahrteischiffen“ von 1906:

Äußerlich wahrnehmbare, allgemeine Zeichen einer für den Schiffsdienst geeigneten Körperbeschaffenheit sind: feste, elastische Haut, starker Nacken, breite Schultern, eine normal gebaute Brust, wohlgeformter Rücken, starke Knochen, kräftig entwickelte Muskeln, gelenkige Arme und Hände, gesunde Füße.

Hingegen lassen folgende Kennzeichen auf nicht genügende Widerstandsfähigkeit des Körpers schliessen: blasse oder welke Haut, namentlich blasse Lippen, eingesunkene Augen, geschwüriges Zahnfleisch, langer schmaler Brustkorb, eingesunkene obere Schlüsselbeingruben, herabhängende Schultern, auffallend hohler Rücken, abstehende Schulterblätter, dürftig entwickelte Muskeln und Gliedmassen.

Achtung Willi

Also im Bisstrorante in Kiel am Hindenburgufer kann man Willi treffen, 52 Jahre alt, gut erhalten, Winterbader, fast immer gut drauf. Er hat sich geoutet und mir heute gesagt, dass er gerne wäscht. Das wäre doch kein Problem. Rein in die Waschmaschine und fertig. Hinterher ist Wäscheaufhängen und Bettenbeziehen geradezu ein Vergnügen.
Ich fühle mich verpflichtet. diese Sache mit dem Willi öffentlich zu machen, weil es kaum zu glauben ist, dass es so etwas gibt.
Willi ist allerdings mit Gesine lebensabschnittspartnermäßig gebunden und die Prognose für die Dauerhaftigkeit der Beziehung ist nach meiner Einschätzung gut.
Die Aussicht, sich diesen Willi zu schnappen ist also eher nicht rosig. Trotzdem, falls er doch mal verfügbar sein sollte, sei auf diese außergewöhnliche Gelegenheit hingewiesen.

Doku

Gestern zu Besuch auf dem Dauer-Campingplatz. War nett. Es gab gutes Grill-Essen. Kein Grund zur Klage. Nur aus Gründen der Dokumentation versuche ich hier stichwortartig die zu medizinischen und anderen Themen gefallenen Worte aufzubewahren:

…die da, die hat Alzheimer (war wirklich traurig anzusehen, wie eine ältere Dame orientierungslos durch die Wohnwagen-Gassen irrte)…der da hatte gerade ne Herz-OP (der war am Rackern mit einer Stangen-Planen-Konstruktion zweckt Absicherung seines Wohnwagen-Areals)…B. (ein gemeinsamer Bekannter) wird jetzt bald von den Geräten abgenommen, acht Wochen machen die das, und dann ist Schluss…du solltest wirklich mal was gegen dein Cholesterin machen…ach was, ich hab doch die Tabletten!…oh, du musst auch abends Tabletten gegen Hochdruck nehmen, ich nur morgens…ich muss jetzt aber was gegen meinen Bänderriss machen, vielleicht kriege ich ja ein neues Knie…Hepatitis B…Hepatitis C…was macht denn dein Bänderriss…der da kann nichts ohne seine Frau machen, wenn er zum Wohnwagen zurück kommt, fragt sie gleich „wo warst du“…der von dahinten studiert Elektrotechnik, der ist Beamter bei der Post, 40 Jahre alt, kriegt sein normales Gehalt, wir fragen ihn immer „na studierst du noch?“…gestern abend am Strand hat ein Glatzkopf beim Grillen gebrannt, da kam Polizei und ein Hubschrauber…beim Kaffeewasserholen hat einer neben mir sein Klo entsorgt, würggg…in der Sanitäranlage spielt immer Musik, das Radio wird am ersten April angemacht und spielt bis zum ersten Oktober…sind die hier neben euch zu Hause, man merkt gar nichts…doch doch, die sind da…wenn das Wetter schlecht ist, sind wir in zwanzig Minuten zu Hause…Toll!!

Undankbar

Es ist so warm hier in der Bude. Wäre man doch jetzt am Meer bei einer frischen Brise. Vor sich ein gezapftes Helles und ein feminines Beachvolleyballspiel.
Aber nein.
Undankbarkeit!

Mitten in der Stadt

Immer wenn ich auf Inlinern meine Runde drehe, komme ich zuerst den Westring entlang. Das ist ein breite, mehrspurige Strasse mit Mittelstreifen. Auf meiner Seite ist ein breiter, mit Betonplatten gepflasterter Bürgersteig, der sich sehr gut zum Inlinern eignet.

Wie man das so kennt, fahren auf der Straße zwar viele Autos, aber der Bürgersteig ist wenig benutzt. Er wirkt oft wie ausgestorben. Rechter Hand zieht sich über hundert oder zweihundert Meter eine dichte Hecke hin und hinter der Hecke befindet sich ein Sportplatz und etliche Schulgebäude.

An einer bestimmten Stelle besteht die Hecke aus Brombeersträuchern, dahinter ist ein vielleicht drei Meter breiter Rasenstreifen, der wiederum ein einstöckiges Gebäude, das als Schulklasse dient, abgrenzt.

Voriges Jahr hatten wir ja diesen bombastischen Sommer und als ich mit Töchterchen, die schon ein recht verständiges Mädchen ist, auf Inlinern dort vorbei lief, sahen wir die Brombeerbüsche und in den Büschen ganz viele vollreife Brombeeren und das mitten in der Stadt.

Wir konnten nicht widerstehen, und haben die Beeren gepflückt und sofort gegessen. Ich erinnerte mich an sonnige Kindertage, und auch bei Töchterchen, die als Stadtkind aufgewachsen ist, zeigte sich Freude über diese idyllische Ernte mitten in der Stadt.
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